Halbierungsinitiative: Die SRG sollte selbstbewusst sein – und sogar mehr Geld fordern

Die SRG wehrt sich bereits seit 2014 gegen Bestrebungen, ihr Budget zu reduzieren oder ganz zu streichen, war damit aber bisher nicht erfolgreich. Foto: Shutterstock

Wer sich in einer Auseinandersetzung erfolgreich behaupten will, darf sich nicht vor seinen Gegnern selbst kleinmachen. Sondern muss sicher auftreten und demonstrativ zeigen, was potentiell noch so alles in ihm steckt. Das macht Eindruck, so lässt sich eine Position verteidigen, die angegriffen wird. Susanne Wille, die Generaldirektorin der SRG, agiert dagegen im aktuellen Abstimmungskampf bisher zu defensiv.

Von HANS KLAUS

Für eine erfolgreiche Verteidigung braucht es mehr als stichhaltige Argumente, nämlich immer auch eine Taktik. Dabei ist die Spannbreite gross. Sie reicht von der sanften, fast verführerischen Einnahme des Gegenübers bis zur offenen Drohung mit Konsequenzen, um sich durchzusetzen. Das gilt auch für die grösste denkbare Form der Auseinandersetzung in unserer heutigen Schweiz: Den Abstimmungskampf vor einem Entscheid mit enormen Konsequenzen. Hier zählt ebenso nicht nur, was gesagt wird – sondern auch, wie.

Wenig geschickt tritt dabei aktuell Susanne Wille, Generaldirektorin der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG), auf. Vor der anstehenden Volksabstimmung über die «Halbierungsinitiative» am 8. März 2026 ist sie zwar omnipräsent, aber taktisch immer in der Defensive. Dabei wehrt sich die SRG bereits seit 2014 gegen Bestrebungen, ihr Budget zu reduzieren oder ganz zu streichen, müsste also vorbereitet sein. Doch sie war wenig erfolgreich: Der Bundesrat senkte die Gebühren bereits von jährlich 451 Franken pro Haushalt (bis 2018) auf 365 Fr. (2019/20), dann auf 335 Fr. (seit 2021). Ebenso sagte er eine weitere Absenkung auf 300 Fr. zu. Die Initiative fordert nun: Nur noch CHF 200.

 

Keine Argumentation mit der früheren Bedeutung

 

Susanne Wille argumentiert in dieser Abwärtsspirale vor allem damit, was man mit noch weniger Budget alles nicht mehr leisten könne, programmatisch wie gesellschaftlich. «Die Halbierungsinitiative schwächt all das, was die Schweiz im Kern ausmacht: Vielfalt, Zusammenhalt, Unabhängigkeit. Und auch die journalistische Qualität. Wer die SRG halbiert, schwächt die Vielfalt», sagte sie im Interview mit Watson. «Wir könnten eine regional verankerte Berichterstattung in allen Landessprachen nicht mehr sicherstellen. Es gäbe weniger Sport, weniger Kultur, weniger gemeinsame Erlebnisse und damit auch weniger Zusammenhalt.» Das inhaltliche Problem bei dieser Argumentation: Sie baut vor allem auf die frühere Bedeutung des SRF. Das klingt nach Besitzstandswahrung, gerade für die Jüngeren, und ist auch ein wenig an der Realität vorbei.

«Das Interesse an den Programmen des Schweizer Fernsehens sinkt», ergab eine Analyse der Zeitungen von CH Media. «Frühere Vorzeigeprogramme des Senders erreichen kein grosses Publikum mehr», einige Formate seien «regelrecht abgestürzt». SRF-Zuschauer seien im Schnitt 20 Jahre älter als die Schweizer Bevölkerung, der Marktanteil beim Fernsehen sinke ebenso wie die Nutzung von Livestreams und Videos. Der bereits angekündigte Abbau von bis zu 900 Vollzeitstellen bis 2029 wirkt in diesem Gesamtbild nur wie die nächste Station eines resignierten Rückzug auf Raten,  Hoffnung auf ein attraktiveres, zeitgemässeres Programm macht er nicht.

 

Erst über die Leistung sprechen, dann über’s Geld 

 

Susanne Wille wäre besser beraten, die aktuelle Wahrnehmung des SRF und die breiten Veränderungen beim Nutzungsverhalten anzuerkennen und ihre Argumentation darauf zu stützen. «Wir brauchen für ein modernes Schweizer Fernsehen und Radio sogar mehr Budget», könnte sie selbstbewusst sagen. «Mindestens 500 Franken jährlich, besser sogar 700 Franken. Damit können wir die notwendigen Strukturen und besseren Angebote schaffen.» Sie könnte darauf verweisen, dass die Gebühren im europäischen Vergleich – wenn man die Kaufkraft der Bevölkerung berücksichtigt – recht moderat sind, eventuell sogar deutlich zu niedrig. Immerhin zahlt ein Schweizer Haushalt, der Netflix und Disney+ im Standard-Abo hat, im Jahr dafür CHF 443.80, und die SRG bietet viel mehr.

Solch eine selbstbewusste Forderung muss in unserem Kulturkreis gut verargumentiert sein und sich an den objektiven Realitäten orientieren. Wir schätzen keine «Basar-Mentalität», das heisst, beidseitige Maximalforderungen, um sich am Ende irgendwo in der Mitte zu treffen: «Ihr wollt CHF 200, ich verlange einfach mal CHF 700. Dann werden es am Ende wohl CHF 450.» Sondern es braucht eine konkrete Vision, wie die SRG, ihre Sender und Programme aussehen könnten und sollten. Bei Watson sagte Susanne Wille über die Initiative: «Die Befürworter bemängeln fehlende Qualität. Wie soll eine Halbierung der Mittel zu höherer Qualität beitragen? Das erschliesst sich mir nicht.» Das klingt zu verzagt, zu defensiv. Wer von seinen Ideen und seinem Angebot überzeugt ist, macht sich nicht klein. Sondern spricht von seinen Leistungen – und erst dann übers Geld.